Erfrierungen, das Problem mit der Kälte


Allgemeines:

Während des Russlandfeldzuges 1941-1945 waren die Soldaten vor allem im ersten Winter nur mit spärlicher Sommerbekleidung ausgestattet. Hitler ging ja davon aus, daß er das Land bis zum Wintereinbruch besiegen würde.

So kam es zu einem unfassbaren Problem: Der Winter hatte 1941 viel früher eingesetzt und war so stark wie schon Jahrzehnte nicht mehr. Der einfache Soldat (mit Ausnahme von Eliteeinheiten) musste Temperaturen bis über minus 50 Grad in dünnen Sommeruniformen durchstehen.

Die Folge: es kamen in den Wintermonaten durch Erfrierungen mehr Soldaten ums Leben oder fielen verletzt aus als durch den Kampf.



Soldatenstiefel mit genagelter Sohle
Soldatenstiefel mit genagelter Sohle ca. 1941

Was sich ebenfalls als fatal herausstellte, waren die Stiefel (Knobelbecher). Sie waren viel zu eng und die an den Sohlen eingeschlagenen Nägel waren ideale Kälteleiter. In den Schaft drang Wasser und Schnee ein, welche gefroren. So mußten die Stiefel mühevoll von den Beinen gelöst werden. Da waren die Beine aber schon Stunden in den gefrorenen Stiefeln drin.

So ist es klar, daß neben den Erfrierungen an den Händen (die dünnen Wollhandschuhe gaben kein Schutz), die Erfrierungen an den Füßen das größte Problem waren. Auch im Gesichtsbereich kam es zu Erfrierungen. Ganz übel war es, wenn der Soldat seinen Helm ohne irgendeinen Schutz auf dem Kopf trug. Hier ist schlichtweg das Gehirn eingefroren.

Der Soldat mußte oft stundenlang durchnässt und unterkühlt in seinem Schützengraben ausharren.

Bis der deutsche Soldat den Umgang mit der Kälte lernte, oder ihn von den Russen abgeschaut hatte, begann schon der zweite Winter in Russland. Erst da wurde für ausreichende Winterkleidung gesorgt.

Die Erfrierungs-Grade:

Erfrierungen werden in drei verschiedene Schweregrade eingeteilt:

Grad I:
ist gekennzeichnet durch Abkühlung und Blässe, sowie stechende Schmerzen in der betreffenden Hautregion. Die im Anfangsstadium völlig wei ße und gefühllose Haut verfärbt sich in den folgenden Tagen bräunlich und kann sich später auch von der Unterlage abheben (Blasenbildung).

Grad II:
wird erst nach Wiedererwärmung sichtbar. Er ist durch Rötung, Schwellung und Blasenbildung, in erster Linie an Füßen und Händen, z.B. nach Verlust der Handschuhe, gekennzeichnet. Homogene, helle Blasen zeigen eine günstige Prognose. Ist der Blaseninhalt dagegen eher blutig, ist mit einem längeren Heilungsverlauf zu rechnen. Zerreißen die Blasen, tritt Gewebeflüssigkeit aus. Es besteht die Gefahr einer Infektion, da Bakterien über die offene Wundfläche in den Körper eindringen können.

Grad III:
ist die schwerste Form der Erfrierung. Sie ist durch eine Nekrose (abgestorbenes Gewebe) mit schwarzer,
eingetrockneter Haut und hartem Unterhautzellgewebe charakterisiert. Das Ausmaß lässt sich erst nach Tagen und Wochen feststellen. Es sind vorwiegend jene Körperstellen betroffen, die neben dem Kälteeinfluss auch noch eine Druckeinwirkung, z.B. durch zu enges Schuhwerk, aushalten müssen. Die betroffenen Areale sind durch völlige Gefühllosigkeit auch nach dem Auftauen charakterisiert. An der Grenze zwischen dem lebenden und abgestorbenen Gewebe bildet sich nach Wochen und Monaten eine Demarkationsfurche aus.



Erfrierung der Handfläche 3ten und 2ten Grades
Erfrierung der Handfläche
dritten und zweiten Grades


Jede Erfrierung erscheint anfangs wie eine Erfrierung ersten Grades. Das Ausmaß einer Erfrierung dritten Grades ist unter Umständen erst nach Wochen erkennbar.



Jede Erfrierung II. und III. Grades erfordert eine Krankenhausbehandlung.


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