Franks Tour von 1966 bis heute...


Frank: 1967, 1972, 1985, 1997, 2005
Frank 1967 - 1972 - 1985 - 1997 - 2005


10




"Marcel Stephane" . . .




Am 30.4.1997 war es so weit. Unser Sohn Marcel Stephane kam zur Welt.

Marcel Stephane ??

Also, das kam so. Als klar war, das unser erster Nachwuchs ein Junge werden würde, haben wir alle Namen dieser Welt durch unser "Namensgebungsraster" purzeln lassen. Pling, und "Marcel" ist hängen geblieben. Und daran ließ sich auch nichts mehr ändern ! Jedenfalls nicht ohne eine gigantische Krisensituation beim jungen Familienglück heraufzubeschwören.

Und wieso Stephane ??

Nun, den zweiten, ultimativen Namen hatte ich in einem gerechten Auswahlverfahren "bestimmt".
Wie jedes Wochenende trafen sich riesige Menschentrauben bei Freunden in Dortmund Wickede und frönten der "Premiere Fußball Liveübertragung" eines Borussia Dortmund Spieles. In meiner ganzen Euphorie und ein "Hauch" von Bier trötete ich voller Stolz, das unser Sohn so heißen solle, wie der Dortmunder Spieler, der das erste Tor in diesem Spiel (ich glaube es war gegen Mönchengladbach) schießen würde !

Plötzlich "Totenstille" im Raum ! Nachdenkliche Gesichter. Gesichter die sich gerade ausmalten, wie unser Junge in Zukunft heißen könnte:

Wolfgang Feiersinger? Matthias Sammer? Vladimir But? Knut Reinhardt? Karlheinz Riedle? Rene Tretschok? oder gar Paul Lambert?

Nein ! Es war "Stephane Chapuisat" !!! Chapuisat schoss das erste Tor. Ja, unser Schweizer Recke hatte es auf dem Fuß.

Unser Sohn solle "Stephane" heißen. Es war so ein weiser und kluger Name. So melodisch, international und "das erste Tor schießend". Jedoch sollte es noch eine Hürde geben. DAS STANDESAMT !! (dazu später). Zu aller erstaunen passte der Name super zu Marcel und so entstand der Doppelname Marcel Stephane mit dem Rufnamen Marcel. Ich sage nur STANDESAMT.

Am 30.4.97 früh morgens ging es dann los. Marcel Stephane meldete sich langsam mit den ersten richtigen Wehen. Und Marion meinte, sie würde sich sicherer fühlen, wenn wir den Rückzug ins Krankenhaus durchführen würden. Also, gaaanz sachlich und gaaanz ruhig die bereitgestellte Tasche, die Frau mit Kind, mich und was sonst noch so rumlag ins Auto gepackt und ab in Richtung Krankenhaus. Das Krankenhaus war nur eine 1/4tel Autostunde von unserer Wohnung entfernt. Aber es kam einen vor, als hätten wir die Reise zum Mond angetreten. Nur kein Schlagloch erwischen und vor allen Dingen keine Geburt in unserem Wagen ! Als wir nach tagelanger Reise endlich den Parkplatz der Klinik sahen, schienen wir die Lage so langsam in den Griff zu bekommen. Jetzt waren wir bereits in sicherer Zone. Jetzt waren Fachleute in der Nähe und wir waren voller Zuversicht. Doch plötzlich fing der Wagen an zu ruckeln und zu stottern ! "He? War der Wagen auch schwanger. Hatte er auch Wehen?" Ne, das wäre zu viel für mich. Gleich zwei Geburten auf einmal. Instinktiv trat ich die Kupplung. Der Motor verabschiedete sich leise von dieser Welt. "Knatsch, aus die Maus" Ich rollte noch mit dem letzten Schub genau in eine freie Parkbox. Der Motor hatte seine Pflicht getan. Er ließ sich nicht mehr starten. Egal, das Auto kann warten. Jetzt wird erst einmal ein Kind gekriegt. Kind kriegen ?


Marcels Fußabdruck
Marcels Fußabdruck

Das ist gar nicht so einfach. Jedenfalls nicht bei uns. Das ganze "Kinderkriegen" sollte sich letztendlich auf über 12 Stunden hinziehen. Naja, vielleicht sind wir auch ein klein wenig zu früh losgefahren. Egal, frei nach dem Motto "Wer erst einmal da war, der sollte auch da bleiben..."
So wurden wir von der Hebamme losgeschickt. Treppen rauf, Treppen runter. Wehen kriegen, am Geländer festkrallen, weiter. Wieder in den Kreissaal. Nebenan kriegte man bereits fleißig Kinder. Dann wieder Flur rauf, Flur runter, Kreissaal. Zwischendurch an den Wehenschreiber. Nebenan wurde bereits das 4711te Kind dieses Tages geboren. Nur nicht nervös machen lassen. Doch dann war es soweit. Es sollte zum Showdown im Kreissaal kommen.


Bereits zu Beginn wurden wir gefragt, ob ein junger, angehender Arzt bei der Geburt dabei sein dürfte. Natürlich durfte er dabei sein und so zog er mit breiter Brust in den Kreissaal ein. Nachdem der Geburtsvorgang wohl doch etwas länger dauerte, als die Fachleute annahmen, wurde es hektisch rund um das zukünftige Elternglück. Überall schwirrten weißgekleidete Fachleute herum. Der junge angehende Arzt hatte sich bereits mit einer grünlichen Gesichtsfarbe und ein schwankenden Gang von der Bühne verabschiedet. Draußen wurde er von einem Stab Mediziner betreut. Nun kam die gute alte Saugglocke zu ihrem Einsatz. Das Bild, als die Saugglocke ihren Halt verlor und der führende Arzt mit der ganzen Apparatur in Zeitraffer, rücklings in den Schrank donnerte, werde ich wohl nie vergessen. Somit hatten wir bereits die Ausfälle eines angehenden Arztes und eines Oberarztes zu beklagen. So langsam bekam ich Halluzinationen von lauter umherfliegenden Ärzten in weiß. Doch nun kam die Waffe aller Ärzte, Dr. Triflakidis (?), der fackelte nicht lange, sprang mit den Knien auf den Bauch meiner Frau und presste das Kind einfach heraus. Marcel Stephane begrüßte uns mit einem herzhaften Schrei.



Marcel, Baby-Pass 1997
Marcel, Baby-Pass 1997


Wenig später hielt ich ein Paket, wie ein Knallbonbon in meinem Armen. So fest war der gute Junge eingewickelt worden.

Nach ein paar Tagen ging ich voller Optimismus zur Anmeldung unseres Jungen zum STANDESAMT Außenstelle Krankenhaus. Doch wurde mein Optimismus durch die Starrsinnigkeit der Deutschen Behörden gegen "Null" gefahren. "Wie soll der Junge heißen?" fragte mich eine völlig regungslose Behördenvertreterin. Ich sagte ordnungsgemäß und mit klaren Worten "Marcel Stephane". Die regungslose Vertreterin der Behörden fragte "Stefan mit F?" und ich erwiderte "Nein, mit PH und einem E am Ende". Jetzt kam Bewegung in die Behördenvertretung. Von mir völlig unbemerkt hatte die "Oberste Vertretung der Deutschen Behörde" ein Gesetzesblatt gezogen und machte mir in einer mir völlig unbekannten "Standesbeamtensprache" klar, das der Name "Stephane mit PH und E" sowohl weiblich, als auch männlich sei und so nicht eindeutig zuzuordnen wäre. Also, es ginge nur "Stefan" oder bestenfalls "Stephan". Jetzt kam Bewegung in meine Blutbahn und ich sagte in klaren und lauten Worten, das jener Stephane, der das Tor für Dortmund geschossen hatte sehr wohl männlich aussah. Und wenn es die Vertreterin der "Bundesbehörde für Namensgebung" mir nicht glauben wolle, könnte ich augenblicklich "zig" tausend Zeugen in "Schwarz Gelb" herbei holen, die mir dieses bestätigen würden. Nun war die Gesetzesvertreterin zur "Eissäule" erstarrt. Wie sollte sie auch nur wissen, wie ich zu diesem Namen kam. Und so musste es ihre pure Angst vor der Invasion von Zeugen gewesen sein, die sie dazu bewegte folgendes Urteil zu fällen:

"Im Namen der Standesbeamtenzunft verlese ich folgendes Urteil:

der Name Stephane (mit "PH" und "E") wird in diesem, unserem Lande mit folgenden Auflagen gewährt: Stephane wird nur als Zusatzname geduldet. Der Name Marcel wird als eindeutig männlicher Rufname angeordnet. Somit darf der Neugeborene Jüngling den Namen "Marcel Stephane" tragen."


Dortmund im Jahre 1997

Die Vertreterin des Weltverbandes der "Deutschen Zulassungsstelle für ausgefallene Namen"

so long, Fränkie

SELFHTML Logo

Seite 11

Grafik: kleiner Pfeil nach oben zeigend Seitenanfang