Franks Tour von 1966 bis heute...


Frank: 1967, 1972, 1985, 1997, 2005
Frank 1967 - 1972 - 1985 - 1997 - 2005


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"Die Welt zu Gast bei Freunden" . . .



1/8 Finale

Die Welt zu Gast bei einem Freund (Frank, 24.6.06, 1/8 Finale)



Tja, das war sie nun die 2. Fussball Weltmeisterschaft in Deutschland. Vier Wochen fröhliche Feste und ein verändertes Deutschland. Ob ich da wohl Geschichte miterlebt habe? Oder habe ich sie gar selbst mitgeschrieben? Schließlich wurde ich in dieser Zeit 40 Jahre alt.
Wenn ich nochmal ins Jahr ´74 zurückgehe, "WM in Deutschland, mit dem Eisverkäufer...", aber das ist eine andere Geschichte.

Oh, wie vermisse ich den täglichen Gang zur Arbeit aus dem Dortmunder Hauptbahnof heraus, hindurch durch das 1/4el Millionen Projekt mit einer Fangesang beschallten "Dortmunder Fankurve".

Ich möchte hier erwähnen, das ich, Frank der "Unerschrockene", jeden Tag die Herausforderung annehme und mich dem Abenteuer "Deutsche Bahn" stelle, um zur Arbeit zu kommen.


Dortmunder Fankurve
Dortmunder WM Projekt "Dortmunder Fankurve" am Hauptbahnhof (WM 2006)


Oh, wie vermisse ich die vielen fröhlichen Gesichter der gut gelaunten Menschen aller Nationen und den kunterbunten Rummel, wenn ein Weltmeisterschaftsspiel in Dortmund statt gefunden hat. Das hatte schon was vom internationalen Flair.

Wie vermisse ich die tägliche, kostenlose Ausgabe der hiesigen, lokalen Tageszeitung, die ich nach Feierabend, auf den Weg zum Hauptbahnhof von sehr netten Damen in die Hand gedrückt bekommen habe. Natürlich hatte ich es schon am zweiten Tag heraus bekommen, wie ich es hinkriege, das mir genau die hübscheste "kostenlose WM-Sonderzeitung" Verteilerin die Zeitung so rein zufällig in die Hand drückte. Ich ging zielstrebig auf sie zu und streckte den Arm heraus.

Ich muss sagen, das diese Prozedur doch sehr unpersönlich war. Aber schließlich war Fussball Weltmeisterschaft. Da blieb keine Zeit für Emotionen.

Besonders werde ich die tollen, extra langen Züge vermissen und die netten internationalen Begrüßungen durch die scheppernden Lautsprecher am Bahnhof.
Hat sich schon jemals einer in Deutschland Gedanken darüber gemacht was "Bahnsteig" auf Englisch heisst? Nun, ich möchte keinen länger auf die Folter spannen "platform", das "olle" Ding heisst "platform"...wow...

Nie, und ich meine "Nie", kam die Bahn während der vier Wochen WM zu spät. Ob ein WM-Spiel in Dortmund stattfand, oder auch nicht. Nach einer Woche begann ich sogar meine Uhr nach den Abfahrzeiten zu stellen, so genau liefen diese.

Nur einmal, Brasilien spielte gegen Japan in Dortmund, verzögerte sich die Abfahrt vom Dortmunder Hauptbahnhof nach Unna und ich war mittendrin.
Wie jeden Nachmittag nach der Arbeit bestieg ich meinen Zug Richtung Unna. Nächste Halt ist "Westalenstadion". Oh, ich meine "Signal Iduna Park". Quatsch, "Fifa WM Stadion Dortmund".
Naja, jedenfalls war ich mal wieder froh, das der Zug noch nicht so voll war und genügend freie Plätze vorhanden waren (war ja schließlich auch ein extra langer Zug).
Ich hatte es mir gerade mit meiner kostenlose Sonderausgabe gemütlich gemacht und dachte nochmals über die große, freie Platzauswahl nach, als sich plötzlich der Zug stark nach rechts neigte und schrittweise in leichte Schwankungen geriet. Dann schwappte der Zug stark nach links und ich wurde mit meiner Wange und meiner Nase an die Fensterscheibe gepresst. Draußen auf den gegenüberliegenden Bahnsteig starrte mich ein kleines Mädchen mit weit aufgerissenen Augen an. Schon wurde ich wieder zur rechten Seite gerissen und kurz darauf begann sich die "Deutsche Bahn" im langsamen Samba-Rhythmus auf und ab zu bewegen.
Sie waren da ! Die Brasilianer !!
Überall eine grün, gelbes Farbenmeer. Rhythmische Gesänge, Trillerpfeifen und Gerede. Das war "Karneval in Rio". Lauter Fahnen im meinen Gesicht. Mein Zug hat sich in einen "brasilianischen Karnevalszug" verwandelt.
Der Zug der "Deutschen Bahn", nun ein "brasilanischer Karnelvalszug", hatte gerade zu seinem Höhepunkt angesetzt, da erreichten wir schon das Westfalenstadion. ähh, ihr wisst schon welches Stadion ich meine.
Das Aussteigen ging nur sehr langsam von statten und ich erwischte mich noch rechtzeitig dabei, wie ich im Samba-Rhythmus den Heerscharen folgte. Ich konnte mich noch soeben bremsen, denn ich musste ja nach Hause "Home Viewing" vor dem heimischen Fernseher.. Ich und der ehemalige Samba Zug, nun wieder Deutsche Bahn, hinkten bereits 30 Minuten...

Mensch, werde ich die vielen fröhlichen Gesichter vermissen, die vielen fröhlichen Autos, die nun mit einem neckischen Deutschlandfähnchen an den Scheiben geschmückt waren. Die richtig fröhlichen Autos hatten sogar zwei Fähnchen (rechts und links) und durften ab und zu mal hupen. Und die weltfröhlichsten Autos hatten sogar 5! Vorne zwei, hinten zwei und eine an der Dachantenne. Diese waren nur am hupen.

Das Geschäft des Pfandflaschensammelns und Eintauschen scheint auch zurückgegangen zu sein. Konnten während der WM noch tütenweise Pfandflaschen und gar leere Bierkästen gesammelt werden, so sieht man heute nur noch vereinzelte Pfandflaschensammler ihrer Tätigkeit nachkommen. Der Rest macht wohl gerade ihren Jahresurlaub auf "Malle".
Warum gibt es eigentlich keine "Pfandabgabe-Steuer"? Wären dann alle Pfandflaschensammler wegen Steuerhinterziehung im Knast?

Ich schreibe gerade diese Geschichte, weil mein Zug soeben mitten auf der Strecke, in der prallen Sonne stehen geblieben ist und die Fahrt bis auf Weiteres, wegen einer "Signalstörung auf der Strecke", unterbrochen wurde. Später stellte sich heraus, das es über eine halbe Stunde dauerte. Tja, die WM ist gerade 4 Tage vorbei. Wie vermisse ich die Fussball WM im eigenen Land....

Abschließend möchte ich folgenden meinen innigsten Dank für die tolle WM 2006 aussprechen:

Ich danke der FIFA für die 250.000 Euro, um das Projekt "Dortmunder Fankurve" jeden Tag geniessen zu können.

Ich danke den fröhlichen Fans aus aller Welt. "Ihr seid meine Freunde..!"

Ich danke dem ARD,ZDF, Premiere und meinen Fernseher, weil dieser durchgehalten hat.

Ich danke allen meinen Gästen, die mit mir vor dem Fernseher beim "Home Viewing" mitgefiebert haben.

Ich danke der Krombacher Brauerei, die spontan ihre Abfüllmenge angehoben hat und ich somit meinen erhöhten Verbrauch an Krombacher Bier ausgleichen konnte.

Ich danke den brasilianischen Fans. "Ich habe immer noch Rhythmus im Schritt..!"

so long, Fränkie

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