Franks Tour von 1966 bis heute...


Frank: 1967, 1972, 1985, 1997, 2005
Frank 1967 - 1972 - 1985 - 1997 - 2005


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" Fanti, das Experiment " . . .




Die erste Zeit meines Lebens verbrachte ich in Dortmund Salingen. In dem Haus unserer Großeltern und Urgroßeltern.
Bis der Tag kam, an dem ich auf meinen eigenen Beinen stehen konnte und die Fortbewegung mit einer immer besser werdenen Technik durchgeführt wurde, hatte ich ein wunderschönes Leben in Salingen. Wir lebten an direkt angrenzenden, duftenden, bunten Wildwiesen. Neben uns riesige Obst- und Gemüsegärten. Kein Zaun trennte uns vom Grundstück der Nachbarn. Es war die perfekte Idylle. Doch wurde diese vollkommende Ruhe von meiner lieben Schwester Martina (Tina) durchkreuzt...

Tina, ca. 1968 in Salingen
Tina, Salingen 1968

Tina ist gut 2 Jahre eher als ich geboren und kannte die Umgebung rund um unser Haus sehr genau. Und man kannte Tina sehr genau... Für meine Schwester war mein Erscheinen auf dieser Welt ein wunderbarer Glücksfall. So konnte sie ihren Vorsprung mir gegenüber gleich einmal in einer Art "neu entdeckten Mutterinstinkt" ausprobieren. Ich möchte an dieser Stelle erwähnen, das meine Schwester heute Doktorin der Biologie ist (auf dem Gebiet der Gehirnforschung) ! Und als erstes vergab sie ihren neuem Experiment, also mir, einen eindeutigen Namen...
"Fanti !"... meine Schwester nannte mich "Fanti" !?!
Mein Schicksal nahm von nun an seinen Lauf. Ein Schicksal, dem ich nicht entrinnen konnte.

Egal wo es meine Schwester auch hintrieb, ich wurde mitgezogen. " Komm Fanti, komm...". Da watschelten zwei Kinder durch Wildwiesen und Gärten in der Nachbarschaft. Ein dunkelblondes Mädchen mit einem kleinen, strohblonden Jungen an ihrer Hand. " Komm Fanti, komm...".
Zwischendurch wurde Rast gemacht. Und Tina begann alles was so die Natur hergab in mich hineinzustopfen. Sand, sämtliche Arten von Erde und jede Menge schleimiger Regenwürmer. " Mutt du etten Fanti...". Was sollte ich machen? Ich schaute sie nur erfürchtig mit meinen blauen Augen und leuchtend, roten Wangen an. Ich ließ alles über mich ergehen. Schließlich wollte ich ein gutes Versuchsobjekt abgeben. So gleich ging es auch schon wieder weiter. Direkt in den offen stehenden Garagen der Nachbarn. "Schuhe ausleihen"...



Tina, ca. 1968 in Salingen
Salingen 1967, Tina, Mutti und ich und weite Wiesen.


"Schuhe ausleihen" war Tinas Lieblingsbeschäftigung. Kein Schuhwerk in der Umgebung war vor ihr sicher. So wurde ich von meiner lieben Schwester in Stiefel reingesteckt, die so groß waren, das ich nur noch mit dem Kopf rausgucken konnte. Dann nahm Tina mich wieder in die Hand und wir stacksten und stolperten mit unseren übergroßen Schuhwerk in Richtung heimatlichen Garten. Natürlich waren linker und rechter Schuh vertauscht. Sonst wäre es ja auch zu einfach gewesen. " Komm Fanti, komm...". Mit plusterroten Kopf versuchte ich Herr meiner Stiefel zu werden!
Kaum in unseren Garten wieder angekommen, ging es gleich zur Hauswand an dem der Wasserkran hing. "Platsch !!" hatte ich auch schon einen klatschnassen, völlig verschmierten Lappen im Gesicht hängen. Es war "Waschenzeit".Ich erstarrte zur Eissäule. Niemand in der Nähe, der mich hier herausholen konnte...
Jetzt wurde es immer dramatischer ! Meine Schwester staffierte sich auch noch mit einer Handtasche aus !! Und ich mußte mir eine Rundführung durch unser Haus antun. Vorbei an der Küche und dem Wohnzimmer. Quer durch das ganze Haus. Überall " Komm Fanti, komm...". Immer an ihrer Hand.
Ich war mittlerweile ihr Besitz. Sie sah mich als ihr Eigentum an. Ich war "ihr Fanti" ! mittlerweile trug Tina Stöckelschuhe (passten auch besser zur Handtasche) und ich steckte noch immer in den schweren Lederstiefeln. Ich war am Ende. Ich konnte und wollte auch nicht mehr. Ich fing an zu schreien...
Ich war doch noch ein kleines Kind !! und müde vom "Fanti-Dasein".
Ja, schreien verschaffte mir Luft. So konnte ich mich auf den Armen meine Oma in Sicherheit bringen. Konnte ich die schweren Stiefel los werden und mich in sicherer Höhe ausruhen. Und ich tat gut daran mich schnell zu erholen! Es dauerte nie lange, da hörte man auch schon das Tackern und Schlürfen von Stöckelschuhen herannahen. Tina stand wieder vor mir mit ihrer riesigen Handtasche und sagte " Komm Fanti..."
Alles fing wieder von vorne an. "Schuhe ausleihen", Würmer essen, nasse Lappen ins Gesicht, endlose Fußmärsche und immer wieder " Komm Fanti, komm...".
Die Berge an ausgeliehenen Schuhe wurden Abends, oder auch bei Bedarf, wieder von den Nachbarn bei uns abgeholt. Man kannte uns schließlich bereits in der ganzen Strasse. Als die "stacksende Tina" mit ihrem "watschelnden Fanti"...

so long, Fränkie

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