Franks Tour von 1966 bis heute...


Frank: 1967, 1972, 1985, 1997, 2005
Frank 1967 - 1972 - 1985 - 1997 - 2005


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"Gene Simmons in Hombruch", oder Kiss in Ordnern...




Anfang der 80er war es soweit... Gene Simmons kam nach Dortmund Hombruch ! Hübsch gepresst auf Schallplatten und in Zeitungsausschnitten.

Mit im Gepäck hatte er Paul Stanley, Ace Frehley und Peter Criss. Zusammen nannten sie sich KISS...

In unserer Strasse brach regelrecht eine Hysterie aus. Zumindest bei zwei pubertierenden und nach Vorbilder suchenden Persönchen. Diese Hysterie zeichnete sich dadurch aus, das ich mich mit meinem damaligen Klassenkameraden, der ebenfalls Frank hieß, zu konspirativen "Kiss-ist-toll" Sitzungen traf.

Ja wir waren mächtig stolz auf uns. Zwei "Kiss-Fans", die beide auch noch Frank hießen und in der gleichen Strasse wohnten. Das war einmalig auf der Welt.

Schnell machten uns die Treffen zu absoluten "Super-Kiss-Fans" und "Kiss-Kennern". Galt es doch die Gesichter hinter den aufgetragenen Masken zu enttarnen. Da waren Gene als "The Demon" , Paul als "The Starchild" , Ace als "The Spaceman" und Peter als "The Cat".
Was hätten wir damals dafür gegeben, um einmal die Gesichter der Band ohne ihren aufgemalten Masken zu sehen. Das war ein wohlgehütetes Staatsgeheimnis. Mittlerweile haben sie sich ja von ihren Masken getrennt. Und ein Mythos ist verloren gegangen.

Schwieriger war es an Material über die Band heranzukommen. Schließlich gab es damals noch kein Internet. Da wurden alle Musik- und Jugendhefte aufgekauft die ein Kiosk so hergab. Schnell hat man die diversen Hefte, wie die Bravo, oder die Popcorn durchgeblättert und alles was auch nur annähernd nach Kiss aussah sorgfältig herausgeschnitten und liebvoll in den Ordner eingeklebt. Diese Ordner waren unsere Grundlage für unsere Treffen. Ja ich würde sogar behaupten, diese Ordner haben das Mathebuch gänzlich ersetzt.

Die Treffen liefen immer nach dem gleichen Schema ab. Man begrüßte sich mit einem coolen "Kiss-Blick" und begutachtete, ohne dabei aufzufallen, dem anderen seinen Ordner, welchen derjenige mit stolz geschwellter Brust in den Armen hielt.
Hatte der andere etwa mehr sammeln können? Besitzt er geheime Quellen? Nein, alles in Lot! Mein Ordner sieht etwas dicker aus.
Dann wurde die erste Schallplatte auf den Plattenteller gelegt und bei scheppernden überforderten Lautsprechern alles aus dem Lautstärkeregler herausgeholt, was dieser noch hergeben konnte. "I was made for lovin´you...". Wir tauchten hinein in unsere "Kiss-Welt".
Langsam begannen die Köpfe, krampfanfallartig, mit dem Rhythmus vor und zurück zu zucken. Die Gesichter verfielen immer mehr zu einem coolen "Kiss-Blick". Augen zusammen kneifen, Mund weit aufreissen, die Zunge raus und zucken lassen. Ja, das war Gene Simmons pur. Dazu Luftgitarren- und Schlagzeugsolos vom feinsten, so das selbst Kiss vor Neid erblassen würde.

Nebenbei wurden die Ordner durchgeblättert und auf die neuesten Errungenschaften gezeigt. Verstehen konnten wir uns ja nicht. Schepperte es doch aus vollen Rohren "I was made for lovin´you...".
Wenn dann auch noch jemand ein Bild erwischt hatte, auf dem einer von den vier Kiss Mitgliedern mit vorgehaltenem Tuch und ohne Maske zu sehen war, zeigte derjenige auf dieses Bild und lehnte sich mit stolzem Blick zurück und widmete sich wieder der Musik. Nicht jedoch ohne das neidische Gesicht des anderen aus dem Augenwinkel zu beobachten.


Bravo Starschnitt, Kiss 1981
Bravo Starschnitt, Kiss 1981

1981 war es dann soweit. Das Warten hatte ein Ende. Bravo brachte den ultimativen Starschnitt von Kiss heraus. Leider waren dort nur Gene und Paul abgebildet. Egal, von nun an gehörte es zur obersten Angelegenheit, das 37teilige Werk zu vollenden und es auf einem angemessenen Platz an die Wand zu hängen. Nur keine Ausgabe der Bravo verpassen. Das wäre der "Supergau" gewesen. Auf unseren Treffen wurde dann jedes Teil bewundert. Die Lautsprecher versuchten derweil wieder alles zu geben. Nun war Gene Simmons auch in Hombruch, lebensgroß.


Natürlich waren Frank und ich nicht die einzigsten "Kiss-Fans" in Hombruch. Wir hatten aber die dicksten Ordner, glaubten wir. Zudem waren wir einmalig.

Bis sich die größten "Kiss-Fans" in Hombruch zusammen gefunden hatten, sollte es noch ein paar Starschnitte dauern.

so long, Fränkie

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