Franks Tour von 1966 bis heute...


Frank: 1967, 1972, 1985, 1997, 2005
Frank 1967 - 1972 - 1985 - 1997 - 2005


9




"Keine Panik, ich habe alles im Griff" . . .




Es gab Meilensteine in der Schule, Meilensteine, die mein Leben grundsätzlich verändern sollten. Veränderungen, die einem klar machten, das man unter bestimmten Umständen feststellen muss, das man verkannt wird.

Dies soll keine Abrechnung mit denen sein, die mich verkannt haben. Vielmehr soll hier dargestellt werden, welche Talente in mir schlummern. Die Talente des "Ersthelfers", des "Sanitäters", schlicht des "Lebensretters" Frank.


Grundausbildung 1. Hilfe 82

Bescheinigung 12.82 Grundasubildung 1. Hilfe


In unserer Schule kam ich in den zweimaligen Genuss an der Ausbildung zum "Ersthelfer" mit Erfolg teilnehmen zu dürfen. In Zeiten des "Kalten Krieges" hätte doch jederzeit ein Weltkrieg ausbrechen können. Da war es lebenswichtig einen "Ersthelferschein" zu besitzen.

Alleine schon beim ausüben des berühmt, berüchtigten Flaschendrehen, oder beim engumschlungenen Blues tanzen in fast verdunkelten Räumen konnte so ein "Ersthelfer-Schein" sehr hilfreich sein. So konnte das erlernte Wissen über grausamste Verletzungen beim Flaschendrehen und beim Blues tanzen optimal eingesetzt werden. Man stelle sich nur mal vor, die Schnittwunden an der Hand, die einem vor lauter Aufregung zugefügt werden konnten, wenn die Flasche in der selbigen zersprang. Oder die Bänderrisse bis hin zu gefährlichsten Knochenbrüchen, die einem beim Blues tanzen, in fast völlig verdunkelten Räumen durch einen falschen Tritt, zugeführt werden konnten.

Ja, so ein "Ersthelfer-Schein" kann Leben retten.

Alles was wir in wochenlanger Kleinstarbeit erlernt haben, sollte mich zum zukünftigen besten "Schwerstverletzten Retter" (bei meinen Fähigkeiten waren kleinere Verletzungsfälle nichts für mich) in unserem Ort machen.

Ich muss hier nicht erwähnen, das ich gleich nach der ersten Stunde Platz an der Wand gemacht habe, um die zukünftigen Auszeichnungen, Ehrungen und das "Bundesverdienstkreuz am Bande" dort neben meinen "Kiss-Postern" unterbringen zu können.

"Bundesverdienstkreuz meets Kiss"

Ich begann langsam ein Gefühl für Notfallsituationen zu entwickeln. Wenn kleine Kinder zu Boden fielen, riss ich beide Arme hoch und rief "Keine Panik, ich habe alles im Griff ! Ich bin ein Lebensretter..!". Ehrfurch machte sich unter dem staunenden Publikum breit. Ich, der weltbester Sanitäter hatte es mal wieder allen gezeigt. Nach dem ich alle Gratulationen und Schulterklopfen entgegen genommen hatte, wollte ich mich gerade daran machen, das gestürzte Kind zu helfen. Doch sobald ich mich dem Kind genähert hatte, sprang dieses auf und rannte laut schreiend und panisch weg. Naja, man muss nicht immer Leben retten, um zu den "weltbesten Lebensrettern mit Spezialgebiet Kleinkinder" zu gehören.

Teilweise musste wir unser Wissen schon während des Unterrichts anwenden. So hatten wir zur Übung bekommen, einen schwerst Verletzen mit einer Decke zu bergen. Sechs Personen als Träger und eine Person, die den dahinsterbenden mimte. Alles war bis ins kleinste durchgeplant. Der fast Tote lag bereits auf der Decke und alle Träger hatten ihre Position eingenommen. Der Gruppenführer (in diesem Fall Führerin) brauchte nur noch das Kommando zum Anheben geben. Dann passierte es. Aus voller Kehle kam das Kommando "Heeebt ab!". Der fast Tote wurde halb hochgerissen. Die ersten liessen den bereits Dahingeschiedenen vor Lachen wieder los. Worauf sich die ganze Truppe vor Zwerchfellkrämpfen krumm bog. Die bereits fast verwehste Leiche knallte wieder zu Boden. Es hat ewig gedauert, den nun bereits schwerst verletzten Totendarsteller noch einmal zu ermutigen, diese Übung zu wiederholen. Und schliesslich hat es auch mit dem richtigen Kommando "Heeebt an" suuuper geklappt.

Die Übergabe der Urkunde zu bestandenen "Ersthelferprüfung" war brilliant und atemberaubend. Jeder wurde namentlich aufgerufen und durfte vorne am Pult den "1. Hilfe Schein" entgegen nehmen. Als ich gerade meine 20 seitige Dankesrede vortragen wollte, kam Bewegung in unserer Klasse. Es war wie bei einer Evakuierungsübung. Innerhalb von Sekunden war unser Klassenraum leer.

Mein Leben hatte sich schlagartig verändert. So ein "Lebensretterschein" konnte einem Türe und Tore öffnen. So konnte man bei jeder Verabredung mit Mädchen sagen "sehen wir uns später? Ich werde auch auf dich aufpassen! Ich habe doch den Schein". Ja, ich hatte den "Freischein"!




1. Hilfeschein 1983
Teilnahmebescheinigung 1. Hilfe 6.83


Dann war Silvester. Mein Leben als "Retter der Menschheit" nahm seinen Lauf.

Wir saßen gerade alle gemütlich beim Fondue, als plötzlich jemand feststellte, das dieser verbrannte Geruch nichts mit dem Fettgeruch des dahinbruzzelnden Fleisches zu tun haben könnte. Ich durchlebte noch einmal meine Ausbildung. Endlose Gedanken schossen mir durch den Kopf. Eine innere Stimme hämmerte ständig auf mich ein. "Frank! Du musst Leben retten!".
In unserer Strasse standen die Wohnhäuser Reih an Reih. Drei Häuser weiter brannte das Haus lichterloh. Das war ein Zeichen ! Ich, Frank, der "bester Retter aller Zeiten" (später werde ich Führungen durch das Museum mit meinen Auszeichnungen übernehmen) war ausgewählt worden das Leben aller Anwohner unserer Strasse zu retten.
Wie gesagt, es war Sylvester und es war schon zur fortgeschrittener Zeit. Mein durch alkoholische Getränke bestimmter Abend nahm gerade an Fahrt auf. Fondue war gegessen. Jetzt zählte nur noch Leben retten !

So rufe ich euch zu: "Keine Panik, ich habe alles im Griff..!" In bruchteilen von Minuten hatte ich einen Krisenstab gebildet. Ich hatte allen Personen ihre Aufgaben verteilt. Ich hatte allen nochmals erklärt, das ich gerade erst zum "Lebensretter" ausgebildet wurde. Alle musste mir geordnet und im Gänsemarsch folgen, als ich das Haus evakuierte.
Die Flammen schlugen bereits meterhoch aus den Gebäude. Nachdem ich alle Bewohner unserer Strasse habe durchzählen lassen, widmete ich meine Gedanken dem bereits vollkommen brennenden Haus. "Da ist noch jemand im Haus ! Ich muss da rein und sein Leben retten!" rief ich.
14 ! Personen hielten mich fest und redeten auf mich ein. "Nein ! da ist niemand mehr drinn. Alle sind in Sicherheit.." Als Zeichen meiner Entschlossenheit winkte ich mit meinem "1. Hilfe Schein" den ich als Zeichen meines Könnens stets bei mir trug. Doch niemand konnte etwas mit dem Winken des Stückchen Papiers anfangen. Wie auch ? Bis auf den Flammen war es doch stockdunkel. Dann kamen die Profis, die Vorbilder aller 6jährigen, die Helden der Flammen. Mit schrillen Sirenen und blitzenden Blaulicht kamen sie angerückt. Die Feuerwehr !! Sogleich fing ich an die Wagen einzuweisen. Jeder Wagen sollte an einer, von mir, bestimmten Stelle halten. Irgendjemand konnte mich noch soeben mit einem beherzten Sprung an sich reissen und mich davor bewahren von einem Leiterwagen überollt zu werden.
Als ich dann mit dem ersten Stosstrupp ins Haus stürmen wollte (so in Turnschuhen, Jeans und Hemd) hielten mich tellergroße Hände an meiner Schulter fest und sagte in einer furchterregenden, tiefen Stimme "Was hast du vor Kleiner? Sieh zu das du hinter die Absperrung kommst !" Sanft, aber dennoch bestimmend wurde ich hinter die Absperrung geschoben. "Ignoranten" dachte ich mir noch. So wand ich mich der Presse zu und versuchte ihr mittzuteilen, was die Profis für Fehler machten und was ich besser machen würde. Da an dieser Stelle meine Hilfe nicht mehr benötigt wurde, gingen wir wieder nach Hause und ich machte mich gleich an die Analyse. Man hat meine Fähigkeiten einfach nicht richtig erkannt. Später habe ich mich noch öfters als "Lebensretter" versucht. Pflaster hier, Pfaster dort. Ich habe bis heute noch nicht verstanden warum gerade gestürzte Personen panikartig die Flucht ergreifen, wenn ich mit winkenden "1. Hilfeschein" herbei eile und schrei: "Keine Panik, ich habe alles im Griff..!"

so long, Fränkie

SELFHTML Logo

Seite 10

Grafik: kleiner Pfeil nach oben zeigend Seitenanfang